Schielen
Schielen (Strabismus) ist eine Fehlstellung der Augen: Ein Auge fixiert ein Objekt, das andere weicht ab. Etwa 5 % aller Kinder schielen.
Jedes der beiden Augen, die wir besitzen, gibt dem Sehzentrum im Gehirn seine Information. Diese beiden Bilder unterscheiden sich nur minimal voneinander und werden im Gehirn zu einem Bild zusammengefasst (Fusion). Wenn man schielt, dann wird der Unterschied zwischen diesen beiden gesehenen Bildern so groß, dass sie nicht mehr zu einem einheitlichen Bild übereinander gelegt werden können. Dabei entsteht ein Doppelbild in verschieden stark ausgeprägter Form. Wenn Kinder schielen, dann hilft sich das kindliche Gehirn gegen diese Doppelbilder, in dem es einfach das zweite, weiter abweichende Bild ignoriert und quasi ausblendet. Das Auge mit dem Bild, was das Gehirn die ganze Zeit ausblendet, wird nach und nach schwächer (amblyop = „faul"), weil es eben weniger genutzt wird, obwohl es organisch gesund ist. Wenn man dieses Problem nicht rechtzeitig erkennt und behandelt, dann bleibt diese Sehschwäche eines Auges ein Leben lang. Nur bis etwa zum 7. Lebensjahr kann es (durch geplantes Verdecken des führenden Auges) trainiert werden, bleibt aber trotzdem immer schwächer.
Frühes Schielen kann bereits bei Babys vorhanden sein, sollte aber im Alter von etwa drei bis vier Monaten verschwinden. Tut es dies nicht, sollte unbedingt eine augenärztliche Untersuchung erfolgen.
Bei kindlichen Schielformen ist es fast immer so, dass ein ständiges einseitiges Schielen vor dem Erreichen eines gewissen Alters zur Sehschwäche des schielenden Auges führt (Amblyopie). Schielen ist daher eine der Hauptursachen von einseitige Schwachsichtigkeit. Dagegen gibt es sehr wirksame Behandlungen, die aber immer viel Geduld von Seiten aller Beteiligten fordern: die geplante zeitweilige Okklusionstherapie (Abkleben) des gesunden Auges.
Darum sollte man jeden Verdacht auf Schielen augenärztlich/ orthoptisch abklären lassen. Die erste Maßnahme ist immer eine genaue Bestimmung der Fehlsichtigkeit unter völliger Entspannung der Augen mit Cyclolat-Tropfen und ggfs. eine Brillenverordnung.
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Manchmal ist das Schielen so gering, dass es von außen fast nicht erkennbar ist. Aber auch dieses Mikroschielen (kleinwinkliges Schielen) kann eine schwere Schwachsichtigkeit (Amblyopie) verursachen.
Später im Leben auftretendes Schielen kann verschiedenste Ursachen haben, welche in ihrer Bedeutung von (meist) relativ harmlos, bis (selten) sehr gefährlich (Schlaganfall im Kerngebiet eines der Augenmuskeln) reichen können. Entsprechend ist auch die Behandlung des Schielens vielfältig, meist aber erfolgreich.
Therapie des Schielens
Wann?
Eine wechselnde oder schwankende Augenstellung ist während der ersten 2 bis 3 Monate erlaubt und Ausdruck der noch unreifen Regelung der beiden Augen. Nach 3 Monaten sollte die Augenstellung jedoch "parallel" sein. Häufig fällt ein Schielen dann auf, wenn das Kind träumt oder sehr müde ist.
Okklusion
Mit einem Klebepflaster wird das gesunde Augen in einem bestimmten Rhythmus (soviele Stunden wie Lebensjahre pro Tag) abgedeckt, um das schwachsichtige Auge zu trainieren. Die "Vernetzung" des schwachen Auges mit dem Gehirn (Sehzentrum) kann nur in den frühen Jahren des Lebens (1.- 6. Lebensjahr) geschehen. Hier erfolgen viele Prägungen, wie z.B. auch die Links- und Rechtshändigkeit. Die Sehschärfe entwickelt sich bis zum 6. Lebensjahr kontinuierlich.
Tropfen
Bei Kleinkindern kann auch mit Atropin behandelt werden. Diese Augentropfen werden in einem bestimmten Rhythmus ins gesunde Auge gegeben und bewirken, dass dieses in der Nähe nicht mehr scharf sieht. Dadurch wird das schwachsichtige Auge trainiert.
Die Behandlungsdauer ist abhängig vom Alter des Kindes und dem Ausmass der Sehschwäche. In der Regel dauert die Behandlung bis zum zehnten Lebensjahr.
Brille
Bei einer Fehl- oder Schwachsichtigkeit muß fast immer, auch nach einer Schieloperation, eine Brille getragen werden. Die Schieloperation korrigiert lediglich die Fehlstellung der Augen. Erst eine Brille und die Abdecktherapie korrigieren die Sehschwäche / Schwachsichtigkeit (Amblyopie). Die Brille korrigiert die Fehlsichtigkeit (Refraktionsdefizit) und normalisiert den dadurch bedingten Schielwinkel.
Operation
Wenn die Abweichung nicht mehr kompensiert werden kann, starke Beschwerden verursacht oder der Schielwinkel auffallend ist, kann eine Schieloperation durchgeführt werden. Bei Kindern wird sie meist vor der Einschulung durchgeführt. Vorher muss möglichst das einseitige in ein wechselseitiges Schielen überführt worden sein. Dies geschieht durch die Okklusion (Abdecktherapie).
Die äusseren Augenmuskeln werden in ihrer Wirkung verstärkt oder abgeschwächt, um die Augenstellung zu korrigieren. Ziel der Operation ist es, das beidäugige Sehen wieder ganz oder teilweise zu ermöglichen. Auch die ästhetische Korrektur des Schielens ist psychologisch wichtig und wird gerade deshalb nicht selten noch bei Erwachsenen durchgeführt.
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